29.09.2017

Appell an die Eltern: „Lasst uns doch die Arbeit machen!“

Autor / Quelle: Burghard Neumann

Hildesheim. Es wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Immer mehr Eltern werfen dem Kreis-jugendausschuss Knüppel zwischen die Beine, um es auf den Punkt zu bringen. Der Kreisjugendobmann Hans-Jürgen Schwellnus zog zum wiederholtem Male Stellung zu den unschönen Begleiterscheinungen im Spielbetrieb und mahnte wörtlich: „Wir haben alle Familien und sind beruflich eingespannt, teilweise bis in die Abendstunden und sind nicht 24 Stunden am Tag ehrenamtlich im Einsatz. Lasst uns doch die Arbeit machen. Auch wir sind an Regeln in der NFV-Jugendordnung und der Ausschreibung gebunden“, informierte der Jugendobmann. „Und wer es besser kann, soll sich bei uns melden“, schimpfte Schwellnus vor den 28 Jugendleiterinnen und Jugendleitern. Es war die erste Informationsveranstaltung in der neuen Saison.

 

Besonders die Eltern in den unteren Altersstufen nehmen immer mehr Einfluss auf den Spielbetrieb, fuhr der Kreisjugendobmann fort. Das wurde in den Ausführungen fast aller Staffelleiter deutlich. In seinem Bericht kritisierte Dirk Holzhausen, verantwortlich für die U 7 bis U 9, das Mannschaften gemeldet werden und sie wieder zurückgezogen werden wenn der komplette Spielplan steht. Kurzfristige Spielabsagen sind sehr ärgerlich. „So wird zum Beispiel am Freitag um 23 Uhr oder am Samstag um 9 Uhr eine Begegnung abgesagt die um 9 Uhr angepfiffen werden soll, da ist der Gegner schon unterwegs, was sollen wir da noch machen?“, sagte Holzhausen fast verzweifelt. „Es gibt kein Anrecht auf Spielverlegungen“, waren seine deutlichen Worte.

Positiv wertete Thomas Nowak (U 10 und U 11) wenn sich die Trainer selbst zu einem neuen Termin einigen, „aber nicht erst nach acht Wochen. Hier gebe es Fristen von Neuansetzungen über drei Wochen“, mahnte Nowak. Die U 15-Kreisliga hat in dieser Spielserie einen Rückgang zu verzeichnen, bedauerte Conny-Jablonski-Bähre. Von 10 Mannschaftsmeldungen treten nur sechs Teams an, sagte die Staffelleiterin enttäuscht.

Auch die A- und B-Junioren kommen nicht glimpflich davon, berichtete der Staffelleiter Stephan Lübke. Er muss sich mit vielen Krankmeldungen herumplagen. „Es werden Spiele abgesagt, danach erhalte ich die gelben Scheine für zwei Wochen. Doch die gleichen Spieler laufen drei Tage später wieder auf. Da fühle ich mich doch verschaukelt“, sagte Lübke und drohte mit Strafen bei Wiederholungen. Sabine Kühl sprach von verspäteten Spielabsagen und Spielverlegungen, die sich drastisch erhöht haben. Hier werde die Gutmütigkeit vom Kreisjugendausschuss von einigen Vereinen oft ausgenutzt, bestätigte die Mädchen-Staffelleiterin.

Der Bericht des Spielleiters Ralf Hamann viel besonders kritisch aus. Er bemängelt u.a. das der Zeitrahmen für den Jugendspielbetrieb immer enger wird. Die Begeg-nungen der Altherren und Altsenioren stehen schon fest, „dann knallt uns der Bezirk auch noch seine Spiele rein. Bis jetzt gab es 124 Anträge auf Spielverlegungen. Warum machen wir dann noch Spielpläne“, äußert sich Hamann verärgert. Aber der steigende Einfluss der Eltern auf den Jugendspielbetrieb bringt auch ihn auf die Palme. Dazu nannte er ein Negativbeispiel vom MTV Banteln und holte noch weiter aus. „Es ist traurig, dass der ehrenamtliche Einsatz der Vereins- und Verbandsfunktionäre ausgenutzt wird. Das Engagement für Kinder wird von vielen Vereinen nur noch als Dienstleistung gesehen“, sagte der Spielleiter verbittert. Eine lebhafte Diskussion erfolgte darauf, denn einige Jugendleiter bestätigten dieses, aber es gibt auch viele Eltern, die in den Vereinen mithelfen und den Jugendfußball positiv ins rechte Licht rücken.

Zum Schluss sprach Schwellnus über die kommende Hallenrunde und erinnerte, dass am 30. September Anmeldeschluss ist. „Bis jetzt haben es sieben von 45 Vereinen geschafft ihre Mannschaften zu melden“, sagte er achselzuckend. Der Kreisvorsitzende Detlef Winter hörte aufmerksam zu und bezog zu den Redebei-trägen Stellung: „Die Arbeit in den Ausschüssen darf nicht zum Frust ausarten. Es gibt auch in anderen Kreisen Probleme mit Spielverlegungen, Spielabsagen und Ärger mit den Eltern“. Winter erklärte, dass es immer schwieriger wird ehrenamtliche Mitarbeiter in den Ausschüssen zu finden. Deshalb sei es wichtig, dass man den Dialog sucht, um gemeinsam vernünftige Lösungen zu suchen.

Ein weiterer Punkt war der in den „Dornröschenschlaf“ geratene Mädchenfußball. Der Jugendausschuss wird nach neuen Lösungen suchen, um den Spielbetrieb voranzu-treiben, versprach Winter. Für die Seniorenteams wird es im kommenden Frühjahr in den Regionen Nord, Süd und in der Stadt Hildesheim kleinere Staffeltage geben. Dabei sitzen Vereins- und Verbandsmitarbeiter an einem Tisch, um auch hier Probleme aus der Welt zu schaffen, setzte Winter den Schlusspunkt des Abends. (bn)

Foto: Neumann

BU: 28 Jugendleiterinnen und Jugendleiter kamen zur ersten Info-Veranstaltung in der neuen Saison.

BU: „Auch wir sind an Regeln in der NFV-Jugendordnung und der Ausschreibung gebunden“, informierte der Jugendobmann.

BU: „Für die Seniorenteams wird es im kommenden Frühjahr in den Regionen Nord, Süd und in der Stadt Hildesheim kleinere Staffeltage geben“, kündigte der Kreisvorsitzende an.

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Seite zuletzt aktualisiert am: 22.10.2017

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